Schifffahrt zur Insel „Greifswalder Oie“

Alle Usedom-Besucher lieben Wasser! Zusammen mit dem schönen, feinsandigen Strand und den zahlreichen Sonnenstunden ist das die Motivation schlechthin, die sich kaum noch toppen lässt.

Dennoch – wer mehr Wasser und weniger Land braucht, der kann über einen Schiffsausflug nachdenken. So auch wir. Schnell waren die Möglichkeiten ausgelotet – es gab nicht viele. Aber das Richtige war dabei – eine Tagestour zur Naturschutzinsel Greifswalder Oie (sprich: oi). Dies ist niederdeutsch und bedeutet schlicht ‚kleine Insel‘.

So fuhren uns unsere Räder früh von Karlshagen nach Peenemünde, dem Ablegehafen. Um 9:45 ging es, nach vorherigem Online-Kartenkauf, mit ca. 30 Gleichgesinnten los. Dank des sonnigen Wetters waren natürlich die Oberdeck- und sonstigen ‚oben-ohne‘-Plätze schnell belegt.

Die Route führt mehrfach in der Woche den Peenestrom herunter, über den Festlandhafen Freest, „schräg gegenüber“ von Peenemünde, mit 8 Knoten in 90 Minuten direkt zur Insel. Unterwegs versorgte uns der Kapitän, Chef der 2köpfigen Besatzung, mit zahlreichen Informationen über Natur, Sehenswürdigkeiten, Geschichte und scheinbar alles sonstige Wissenswerte.

Von Schafen beweidete halboffene Flächen

Nach vielen Jahren landwirtschaftlicher Nutzung wurde die Insel von 1936 bis 1990 militärisch genutzt. Zuerst von der Heeresversuchsanstalt, die von hier sogar testweise A4-Raketen abgefeuerte, als in der Anstalt auf dem Festland die Voraussetzungen dafür noch nicht gegeben waren. Später machte sich die NVA hier breit, die einen Aufklärungsposten für das in Peenemünde stationierte Jagdgeschwader betrieb. Noch älter, und auch durchgehend, ist jedoch die Geschichte als Leuchtturmstation. Dieser ist zwar längst elektrisch betrieben und bedarf nicht mehr des Aufziehens per Gewichten wie bei der Kuckucksuhr, und auch die Petroleumlampe ist längst abgelöst. Der letzte Maschinist verließ 1974 die Insel; die Anlage wird seit dem vom Wasser- und Schifffahrtsamt Greifswald fernüberwacht.

Biologische Station „Walter Banzhaf“
Biologische Station „Walter Banzhaf“

Seit 1993 ist die Insel als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Um dessen Belange kümmert sich die Station des Vereins Jordsand. Neben Landschaftspflegearbeiten und Betreuung der animalischen Rasenmäher („rauhwollige pommersche Landschafe“) wird hier auch eine Beringungsstation für Vögel betrieben. Dazu werden die Fangnetze stündlich geleert, die Vögel in weniger als einer Minute verzeichnet und beringt, und wieder freigelassen. Nur 0,003% schon beringte Vögel werden gefangen und deren Position gemeldet! Umso wichtiger ist es für die Beringstationen und die Wissenschaft, den Weg ihrer Schützlinge nachzuverfolgen. Leider war die Saison fast vorbei, so dass wir diesen Vorgang nicht selbst beobachten konnten, sondern uns auf Schilderungen verlassen mussten.

All dies wurde uns von einer jungen Frau, die ihr FÖJ hier mit einer Handvoll Gleichgesinnter verbringt, während einer kleinen Führung erläutert. Obwohl wir uns für eine Ausfahrt mit verlängertem 3stündigem Landgang entschieden hatten, war die Zeit sehr kurzweilig, obwohl es eigentlich nur einen 1,5 km langen Weg über die Insel vom Hafen bis zum Leuchtturm gibt. Aber Fragen zu den Lebensbedingungen, von Trinkwasser und Stromgewinnung bis zur Verpflegung, füllten die Führung aus. Das wäre was für mich: hier gibt es keine Stechmücken, weil der Abstand zum Festland zu groß ist, und die Mücken nicht überfliegen können.

Neben einem buchstäblichen Höhepunkt, dem Erklimmen der Aussichtsplattform des Leuchtturms, waren  Ruhe und Vogelvielfalt sehr inspirierend. Auch die Seenotrettung betreibt einen Stützpunkt in Hafennähe, und könnte mit einem leistungsfähigen Boot schnell bei in Not geratenen Schiffen und Booten sein.

Nach gut sechs Stunden Fahrt und viel ermüdend guter Luft kamen wir also wieder gut gelaunt in Peenemünde an, und gönnten uns zunächst ein Eis, das wir in der Nähe unseres Schiffes genossen. Mit Verwunderung beobachteten wir, dass unser Kapitän das Poloshirt abgelegt und seine Seemannsuniform angezogen hatte. Auch kam ein zweiter Uniformierter dazu, der einen Blumenkranz trug: Die Reederei bietet nämlich auch Seebestattungen an, was uns schon ein wenig nachdenklich stimmte. Also war für die Besatzung noch kein Feierabend.

Gastbeitrag von Veiko G.

 

Titelfoto: Von Unukorno – Eigenes Werk, CC-BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52162600, Leuchtturm: https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Unukorno,
Biologische Station: Von Assenmacher – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16302483

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